Zitate

  

Ich höre Menschen zu. Ich lese von Menschen Geschriebenes. Bei beidem klingt in mir immer wieder etwas an. „Ja, genau!“ denke ich. Im Folgenden gebe ich Ihnen gerne Aussagen weiter, die mich auf mehreren Ebenen angesprochen haben.

 

Unser Gehirn motiviert uns nicht nur als hilflose Neugeborene oder Kinder, sondern auch als Erwachsene, Kontakt mit anderen Menschen zu suchen. Der Paartherapeut Brent J. Atkinson sagt es so:

„Emotionale Unabhängigkeit gehört nicht zum Plan der Natur.“
Brent J. Atkinson: Emotional Intelligence in Couples Therapy. S. 50 der englischen Originalausgabe
Zitat übersetzt von Peter Flury-Kleubler

 

„Die Mauern, welche Pfeile und Speere abhalten, halten auch Küsse und Rosen ab.“

John O. Stevens: Die Kunst der Wahrnehmung. Übungen der Gestalttherapie. S. 45

 
„Viel Erfolg zählt zum Schlimmsten, was einem im Leben passieren kann. Wer immer wieder mit der gleichen Strategie erfolgreich vorankommt, der wird am Ende einem Rennpferd immer ähnlicher, einem Rennpferd, das sich selbst die Scheuklappen immer fester überzieht. Er sieht immer weniger von dem, was rechts und links von ihm passiert, merkt nicht, wie sich die Rennstrecke allmählich verändert oder dass ihm jemand einen Knüppel in den Weg legt. Dann macht es platsch, und er liegt auf der Nase, oder er erkennt plötzlich, dass er sich hoffnungslos verrannt hat. Er stellt fest, dass er so viel Zeit und Aufmerksamkeit in seinen Beruf, in seine Karriere gesteckt hat, dass ihm gar nicht aufgefallen ist, wie ihm Frau und Kinder immer fremder wurden, bis sie sich nun endgültig von ihm getrennt haben, oder dass er all die Warnungen aus seinem Körper ignoriert hat, bis er im Krankenhaus aufwacht, weil ihm sein Herz von heute auf morgen den weiteren Dienst in der bisherigen Weise versagt.“

Gerald Hüther: Biologie der Angst. S. 71–72

 
„Ein Staat ist demzufolge die Selbstorganisation einer Gesellschaft, die gewährleistet, dass jeder Mensch bereit ist, seine eigene Freiheit einzuschränken, um in Frieden und ohne durch den Egoismus anderer bedroht zu werden seiner Liebe zur Gerechtigkeit nachzukommen.“

Philipp Blom: Die Welt aus den Angeln. S. 202–203

 

„Wenn die Freiheit des Individuums als die Freiheit interpretiert wird, alles zu tun, was profitabel ist, dann wird sich in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten niemand mehr um das Wohlergehen des liberalen Traums sorgen müssen – die Überlebenden werden andere Probleme haben.“

Philipp Blom: Die Welt aus den Angeln. S. 261

 

„Wenn wir fähig sind, uns vom Glauben zu lösen, der sogenannte freie Markt existiere getrennt vom Staat und Menschen würden so viel verdienen, wie sie für die Gesellschaft wert seien, wird es ... möglich sein, klarer zu sehen, um welche Wahl es im Grunde geht: nicht mehr oder weniger Staat, sondern ob sich der Staat um die Ansprüche einer wohlhabenden Minderheit kümmert oder um die Bedürfnisse einer Mehrheit, die im Verhältnis immer ärmer und wirtschaftlich unsicherer wird.“
Robert Reich: Saving Capitalism. S. 183 der englischen Originalausgabe
Zitat übersetzt von Peter Flury-Kleubler

 

„Monetäre Interessen wollen nicht, dass der Schleier des sogenannten freien Marktes gelüftet wird, weil dies deren Einfluss auf die Regeln des kapitalistischen Spiels offenlegen würde und die möglichen Allianzen, mit denen sich dieser Macht begegnen ließe. Sie bevorzugen, dass die unteren 90 Prozent sich weiterhin über mehr oder weniger Staat streiten (oder über nichtwirtschaftliche Fragen wie gleichgeschlechtliche Ehe, Abtreibung, Waffen, Rasse und Religion) statt eine gemeinsame Haltung zu wirtschaftlichen Fragen zu finden.“
Robert Reich: Saving Capitalism. S. 183 der englischen Originalausgabe
Zitat übersetzt von Peter Flury-Kleubler

 

„So haben die unteren 90 Prozent der Amerikaner – unabhängig davon, ob sie Inhaber kleiner Geschäfte, Working Poor, Unternehmer, verschuldete Studenten, Kleininvestoren, Hauseigentümer, Weiße, Schwarze oder Latinos, Männer oder Frauen sind – wirtschaftlich untereinander viel mehr Interessen gemeinsam als mit den obersten Führungskräften von Großkonzernen, den Wall-Street-Leuten oder Amerikas Wohlhabenden.“
Robert Reich: Saving Capitalism. S. 185 der englischen Originalausgabe
Zitat übersetzt von Peter Flury-Kleubler

 

In seinem Buch über die Klimaerwärmung schreibt Joseph Romm bei den Verdankungen:

„Worte können meine Dankbarkeit nicht beschreiben für das Geschenk meiner Tochter Antonia, die mich jeden Tag unendlich inspiriert. Als sie drei Jahre alt war, begann sie zu sagen »blah, blah, blah«». Als ich sie fragte, ob sie wisse, was »blah, blah, blah« bedeutet, sagte sie. »Es ist, wenn Papa etwas sagt, das nicht wichtig ist.« Bingo. Bis ich eine Tochter hatte, sagte ich oft Dinge, die nicht wichtig sind. Doch mit ihrer Hilfe habe ich gelernt, dies weniger oft zu tun. ... Letztendlich sind es die Antonias rund um die Welt, an die wir denken müssen, wenn wir in Bezug auf das Klima über die Folgen unseres Handelns – oder Nichthandelns – nachdenken.“
Joseph Romm: Climate Change. S. xxv der englischen Originalausgabe
Zitat übersetzt von Peter Flury-Kleubler

 

John Elder Robisons Freund Theodore Rosenberg über die Beschreibung des Asperger-Syndroms:
„Das ist keine Krankheit. Das bedarf keiner Heilung. Es besagt einfach, wie du bist.“
John Elder Robison: Schau mich an! S. 224

 

 

Auf den Punkt gebracht

 

Wenn Aussagen umfangreich sind, kann es hilfreich sein, deren Essenz in eigene Worte zu fassen und dadurch auf den Punkt zu bringen. Im Folgenden formuliere ich Thesen, denen ich beim Lesen begegnet bin, in knapper eigener Form:

 
Die Erfahrung kontrollierbarer Stresssituationen ist notwendig, um jene Muster neuronal zu verankern, mit denen es uns gelungen ist, diese Stresssituationen zu bewältigen. Dadurch vergrößert sich unser Repertoire an Bewältigungsmöglichkeiten.

sinngemäß nach Gerald Hüther, Biologie der Angst

 
Die Erfahrung unkontrollierbarer Stresssituationen ist notwendig, um jene Muster neuronal aufzulösen, mit denen wir in einer sich verändernden Umwelt in eine Sackgasse geraten sind, in der die bisher bewährten Muster nicht mehr zum Erfolg führen.

sinngemäß nach Gerald Hüther, Biologie der Angst

 

 

intuitiv richtig – Psychologische Beratung

Dr. phil. Peter Flury-Kleubler, Psychologe FSP, Einzel- und Paarberatung, St. Gallen