Weltbilder

 

Nicht alle Schwierigkeiten, denen wir im Leben begegnen, haben etwas mit uns persönlich zu tun (vgl. Lebenswelten). Vieles liegt auch den Bedingungen, denen wir in unserer Lebenswelt begegnen. Und dahinter stecken größere Zusammenhänge. Deshalb gebe ich Ihnen hier Hinweise auf Bücher, die auf den ersten Blick nicht psychologische Themen zum Inhalt haben. Schaut man hingegen länger und genauer hin, wird klar, dass die ökonomischen, ökologischen und sozialen Probleme, die uns beschäftigen, sehr viel damit zu tun haben, was kollektiv in unseren Köpfen vorgeht.

 

 

Klimawandel

 
Wie Menschen leben können, hängt in höchstem Maße von Umweltbedingungen ab, von gesellschaftlichen und ökologischen. Gesellschaftliche Bedingungen beeinflussen ökologische und umgekehrt.

 

Joseph Romm erklärt, was heute zum Thema Klimawandel wissenschaftlicher Konsens ist. Er erläutert auch, wieso jedermann dies wissen sollte.

 

Die Fakten:

 

  • Es wird wärmer. Dass sich die Erde im Durchschnitt erwärmt, ist mittlerweile mit einer Sicherheit belegt, die dringenden Anlass gibt, sich mit dem, was sich abzeichnet, ernsthaft auseinanderzusetzen.
  • Es wird massiv wärmer. Die Vorhersagen der Klimamodelle haben sich als zu optimistisch erwiesen. Es wird schneller warm und er wird heißer als von den meisten Modellen prognostiziert, weil die Modelle wichtige Selbstverstärkungsmechanismen nicht berücksichtigen.
  • Die Erwärmung wird vom Menschen verursacht. Heute ist auch robust belegt, weshalb sich das Meer, die Erdoberfläche und die Atmosphäre erwärmen: Der Mensch hat den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre gegenüber dem vorindustriellen Niveau bereits massiv erhöht und tut es weiterhin. Seit es Homo Sapiens gibt, gab es noch nie so viel Kohlendioxid in der Luft.
  • Die massive Erhöhung des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre verändert alle Lebensräume – auch das Meer. Das zusätzliche Kohlendioxid in der Luft wird in einem Maße vom Meer aufgenommen, durch welches es massiv saurer wird. Die Übersäuerung des Meers gefährdet einen Großteil des Lebens im Wasser und dadurch auch die Ernährung der Menschheit.

 
Kritiker und Zweifler, welche nicht wahrhaben wollen, was geschieht, weisen darauf hin, in der Erdgeschichte sei es schon heißer gewesen und habe es schon mehr Kohlendioxid in der Luft gehabt. Sie verkennen aber, dass es damals keine Menschen gab und unter diesen Bedingungen die heutige Biodiversität und die bereits über 7 Milliarden Menschen keine Chance hätten, sich schnell genug anzupassen. Frühere große Freisetzungen von Kohlendioxid – damals durch natürliche Ursachen – führten mehrmals in der Erdgeschichte zum Aussterben eines großen Teils der in jener Zeit lebenden Tier- und Pflanzenarten.

 

Demagogen behaupten immer wieder, wenn es an einem Ort, eine Zeit lang kalt ist oder schneit, „seht, die Klimaerwärmung gibt es nicht“. Doch manche Zusammenhänge sind auf den ersten Blick paradox:

 

  • Eine globale Erwärmung führt teilweise lokal zu mehr Schnee.
  • Da periodische Schwankungen den langfristigen Trend überlagern, kann es kurzfristig kälter werden.
  • Der Zusammenhang zwischen dem Kohlendioxidausstoß und der Klimaerwärmung ist nicht linear. Es gibt Selbstverstärkungseffekte – etwa durch Wasserverdunstung, Wald- und Torfbrände, Schmelzen der Gletscher und Tauen der Permafrostböden. Und es gibt Kippeffekte, durch welche die Erwärmung selbst dann weitergeht, wenn der Kohlendioxidausstoß gebremst oder gestoppt wird.

 
Die Vorstellungen breiter Bevölkerungskreise und vieler Politiker über die Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und dem Klima stehen erschreckend in Widerspruch zu den physikalischen Realitäten:

  

  • Die Wirkungen des Kohlendioxidausstoßes auf das Klima treten um Jahrzehnte verzögert ein. Die Klimaauffälligkeiten, die wir heute beobachten, sind überwiegend die Folge des Handelns im letzten Jahrhundert. Die Folgen des seither massiv weiter gestiegenen heutigen globalen Ausstoßes werden wir oder unsere Kinder erst in Zukunft in vollem Maße zu spüren bekommen. Hintergrund dieser Verzögerung ist, dass das Klima nicht direkt auf den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen reagiert, sondern auf deren Konzentration in der Atmosphäre.
  • Wenn wir den Kohlendioxidausstoß erst dann massiv reduzieren, wenn die Klimaveränderung und deren Folgen bereits katastrophal sind, ist eine Entwicklung in Gang gekommen, die für Jahrtausende unumkehrbar ist und selbst dann weiterläuft, wenn zu jenem Zeitpunkt die Emissionen vollständig gestoppt werden.

 

Joseph Romm zeigt auf, was geschieht, wenn wir nicht schnell genug stark genug Gegensteuer geben. Die Erde wird großräumig lebensfeindlich und um die geschrumpften Lebensräume wird hart gekämpft.

 

Wir haben es in der Hand, wie stark der Kohlendioxidausstoß, die Erwärmung und die weiteren Folgen weitergehen, individuell und kollektiv. Sowohl über unser eigenes Alltagshandeln als auch über unser politisches Handeln nehmen wir Einfluss.

 

Die erforderliche Verminderung der Emissionen ist über einen veränderten Umgang mit Energie zu erreichen, weil der Kohlendioxidausstoß hauptsächlich von fossilen Energieträgern stammt. Die Hauptsäulen hierfür sind eine höhere Energieeffizienz vor allem durch bessere Gebäudeisolation und energiesparendere Verkehrsmittel sowie der Ersatz fossiler Energieträger durch nichtfossile.

 

Joseph Romm nennt die Mittel, um höhere Energieeffizienz und die Entkarbonisierung der Energienutzung im nötigen Umfang voranzutreiben:

 

  • Abgaben auf fossilen Energieträgern: In der Form von Lenkungsabgaben, welche der Allgemeinheit über Steuersenkungen zurückerstattet werden, sind diese sogar staatsquotenneutral.
  • handelbare Emissionsrechte: Der Staat muss hierbei das handelbare Emissionsvolumen festlegen.

 

Voraussetzung für die genügende Wirksamkeit dieser Mittel ist es, dass die Abgaben hoch genug sind und das Emissionsvolumen tief genug ist.

 

Wir haben heute nicht mehr die Wahl, eine vom Menschen gemachte Klimaerwärmung zu verhindern. Wir haben nur noch die Wahl, diese Klimaerwärmung auf einen Wert zu begrenzen, der nicht zu Folgen führt, welche unsere Kinder und Enkel überfordern wird. Diese Wahl haben wir!

 
Englische Originalausgabe
Joseph Romm: Climate Change. What everyone needs to know. Oxford.

 

 

„Rettet den Kapitalismus“ – Wie die Regeln der Marktwirtschaft korrumpiert worden sind und wie sich das ändern lässt

  

Robert Reich hat für drei verschiedene US-Regierungen gearbeitet, unter anderem als Arbeitsminister in der Regierung von Bill Clinton. Nach Robert Reich verfehlt die Debatte zwischen Links und Rechts, ob es mehr freie Marktwirtschaft oder mehr staatliche Eingriffe brauche, den Punkt. Ein „freier Markt“ basiert immer auf den Regeln, die der Staat etabliert. Er zeigt auf, wie diese Regeln im Lauf der Zeit verändert worden sind und von wem.

 

Es geht um Regeln, was man besitzen kann, wieviel Marktmacht einzelne Firmen maximal haben dürfen, was man zu welchen Bedingungen kaufen und verkaufen darf, was geschieht, wenn ein Marktteilnehmer nicht zahlen kann, und wie man sicherstellt, dass die Regeln eingehalten werden.

 

Wie Reich belegt, verdienen die Menschen in der sogenannten freien Marktwirtschaft nicht, was ihnen in einem moralischen Sinne gerechterweise zusteht, sondern was die im Rechtssystem verankerten Regeln zulassen. So haben manche aller Anstrengung zum Trotz keine Chance, durch ihre Arbeit auch nur das zu einer würdigen Existenz Notwendige zu erwirtschaften, die „Working Poor“. Andere wiederum können ohne Arbeit, allein durch die Erträge ihres Vermögens ein Einkommen erzielen, das ein Vielfaches des Durchschnittseinkommens beträgt, die „Non-Working Rich“. Dazwischen ist eine schrumpfende Mittelklasse mit stagnierenden oder sinkenden Einkommen.

 

Die heutigen von den Trägern der Macht durchgesetzten Regeln führen über die vermeintlich dem freien Markt innewohnenden Kräfte automatisch und systematisch zu einer gigantischen Wohlstandsumverteilung von unten nach oben. Was der Staat dann über Steuern und Unterstützungsleistungen von oben nach unten umverteilt, ist nur eine bescheidene Teilkompensation, die bei weitem nicht ausreicht zu verhindern, dass die Schere zwischen den Einkommens- und Vermögensschichten immer weiter aufgeht. Reichs  Analyse bezieht sich auf die Situation in den USA, gilt aber in vielem weltweit. Reich zeigt auf, wie sich die Situation ändern lässt, wenn die von dieser Situation benachteiligte Mehrheit sich zusammentut.

 

Deutsche Ausgabe

Robert Reich: Rettet den Kapitalismus! Für alle, nicht für 1 %. Campus.

 

Englische Originalausgabe
Robert Reich: Saving Capitalism. For the many, not the few. Icon.

 

 

intuitiv richtig – Psychologische Beratung

Dr. phil. Peter Flury-Kleubler, Psychologe FSP, Einzel- und Paarberatung, St. Gallen