intuitiv richtig – Psychologische Beratung
Dr. phil. Peter Flury-Kleubler, Psychologe FSP, St. Gallen

 

Statt Vorwürfe

Wenn Ärger in einem aufsteigt, gehen einem ganz schnell Vorwürfe über die Lippen. Dann macht der andere zu – schießt zurück. Gleich eskaliert es. Und tut weh.

Etwas bleibt zurück und steht zwischen den Beteiligten. Oft hilft auch die Zeit nicht.

Sei doch nicht so empfindlich, mag man denken. Wenn man sich in einem solchen Moment von außen zusehen und zuhören könnte, würde einen die Haltung treffen, die man gerade zum Ausdruck bringt. Verachtung.

Wie wäre es anders möglich? Indem man den in sich aufsteigenden Ärger erst einmal anerkennt, bewusst spürt, wie er sich körperlich anfühlt. Wenn ich meinen Ärger spüre, bin ich bei mir. Wenn ich stattdessen mit meiner Aufmerksamkeit bei der anderen Person bin, der ich die Schuld an meinem Ärger gebe, bin ich außer mir.

Wenn ich mir erst einmal erlaubt habe, meinen Ärger zu spüren, statt ihn am anderen auszulassen, lässt er nach. Dann kann ich wieder wählen, was ich sage – und wie. So erhalte ich die Chance, wirklich gehört zu werden. Mein Gegenüber erkennt womöglich, was mein Ärger mit ihr oder ihm zu tun hat.

 
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